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Ab dem 4. Februar 2026 feiert „The Muppets Show“ ihr Comeback und wird exklusiv bei Disney+ verfügbar sein. Ursprünglich war das Projekt als einmaliges Special mit prominenten Gästen wie der Sängerin Sabrina Carpenter und der Schauspielerin Maya Rudolph geplant. Verantwortlich für die neue Version ist Seth Rogen, der nicht nur als Produzent fungiert, sondern auch selbst als Gast auftreten wird.
Jüdische Fakten über Seth Rogen und „The Muppets Show“
Seth Rogen stammt aus Vancouver und wuchs in einer jüdischen Familie auf. Sein Vater Mark Rogen arbeitete für verschiedene Non-Profit-Organisationen und war stellvertretender Direktor der jüdischen Arbeiterorganisation Workmen’s Circle. In einem Interview beschrieb Rogen seine Eltern, die sich im israelischen Kibbuz Beit Alfa kennengelernt hatten, als radikale jüdische Sozialisten. Seth Rogen hat eine ältere Schwester namens Danya. Zunächst besuchte er die Grundschule Vancouver Talmud Torah, später die Point Grey Secondary School. Viele Charaktereigenschaften seiner damaligen Mitschüler fanden später Eingang in seine Drehbücher. Zehn Jahre lang betrieb Rogen Kyokushin-Karate. Parallel dazu machte er sich durch Stand-up-Auftritte im Camp Miriam einen Namen, einem Sommercamp der sozialistisch-zionistischen Jugendbewegung Habonim Dror. Seine frühen Comedy-Programme kreisten vor allem um persönliche Themen wie seine Bar-Mizwa, seine Großeltern oder Betreuer aus dem Ferienlager. Bereits als Teenager trat er mit Stand-up-Nummern bei Bar-Mizwot und privaten Feiern auf, später auch in Bars. Ein Mohel engagierte ihn sogar, um Witze für religiöse Zeremonien zu schreiben.
Im Alter von 13 Jahren begann Rogen gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund Evan Goldberg, den er im Bar-Mizwa-Unterricht kennengelernt hatte, an der ersten Version des Films „Superbad“ zu arbeiten, der 2007 in die Kinos kam. Das Drehbuch basierte weitgehend auf ihren eigenen jugendlichen Erfahrungen und Fantasien. Seitdem bilden Seth Rogen und Evan Goldberg ein nahezu untrennbares Drehbuchautorenduo. In vielen von Rogens Filmen tauchen jüdische Figuren auf oder zumindest Anspielungen und Witze mit jüdischem Bezug. Auch beim Casting greift er häufig auf Schauspieler mit jüdischem Hintergrund zurück, darunter Paul Rudd, James Franco oder Jonah Hill.
Besonders deutlich zeigt sich dies im Film „An American Pickle“ aus dem Jahr 2020. Darin spielt Rogen den osteuropäischen jüdischen Einwanderer Herschel, der bei einem Arbeitsunfall in einem Fass eingelegter Gurken konserviert wird und hundert Jahre später im modernen New York erwacht. Dort versucht er, sich mithilfe seines letzten lebenden Nachfahren, der ebenfalls von Rogen verkörpert wird, in der neuen Welt zurechtzufinden. Der Film ist auf HBO Max verfügbar. Rogen betonte, dass die eigene Familiengeschichte einen starken Einfluss auf die Figur hatte. Er stammt aus einer Familie jüdischer Arbeiter, zu denen Postboten und Klempner gehörten, und wie bei vielen jüdischen Einwanderern hatten seine Großeltern einst ein Deli in New Jersey betrieben.
Einen persönlichen Einblick in Rogens Kindheit gibt auch sein 2021 erschienener Sammelband „Yearbook“. Darin schildert er zentrale Episoden seines Lebens in oft überspitzter, selbstironischer Form. Viele dieser Geschichten tragen einen deutlich jüdischen Charakter, etwa seine frühen Erfahrungen als Witzeschreiber für einen Mohel, Erinnerungen an seine jüdischen Großeltern oder eine Reise nach Israel mit seiner Mutter.
Die Muppets Show
Kommen wir nun zu den Muppets und betrachten die jüdischen Aspekte und Kontexte dieser Show. Die Muppets wurden von Jim Henson geschaffen, einem zurückhaltenden und hochkreativen Puppenspieler aus Mississippi, der in den 1950er-Jahren das Fernsehpuppenspiel revolutionierte. Insbesondere führte er die Technik ein, bei der die Darsteller außerhalb des Bildes agierten und die Puppen vollständig in den Vordergrund traten. Nach einem zunächst erfolglosen Auftritt bei „Saturday Night Live“ wurden die Muppets schließlich vom britischen Medienmogul Lew Grade gerettet, der jüdischer Herkunft war. Geboren als Louis Winogradsky, floh er im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie vor den russischen Pogromen. Grade erkannte früh das Potenzial der „The Muppet Show“ und spielte eine entscheidende Rolle für ihren internationalen Erfolg, indem er Henson beauftragte, für den Sender ITV eine Puppenshow für ein erwachsenes Publikum zu entwickeln. Zwischen 1976 und 1981 wurden insgesamt 120 Episoden der klassischen „The Muppets Show“ in fünf Staffeln produziert. Darüber hinaus entstanden acht Kinofilme sowie zahlreiche Fernsehspecials. Jim Henson selbst war kein Jude, doch viele seiner engsten Mitarbeiter, Gaststars und sogar einige der Muppet-Figuren wiesen jüdische Bezüge und biografische Hintergründe auf.
Hensons wichtigster Partner war Frank Oz, der ursprüngliche Darsteller von Miss Piggy, Fozzie Bär, Animal und vielen weiteren Figuren. Oz wurde in England als Frank Richard Oznowicz als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter geboren, die später der Religion den Rücken kehrte. Seine Eltern waren selbst Puppenspieler und verließen die Niederlande, nachdem sie im Widerstand gegen die Nationalsozialisten tätig gewesen waren. Später zog die Familie in die USA, wo Oz im Alter von 19 Jahren mit Jim Henson zusammenzuarbeiten begann. Henson schrieb ihm später einen Großteil des typischen Muppets-Humors zu. Oz arbeitete später auch als Regisseur, unter anderem bei „Die Muppets erobern Manhattan“, „Der kleine Horrorladen“ und „Was ist mit Bob?“. Darüber hinaus ist er bis heute als die Stimme von Yoda im „Star-Wars“-Universum bekannt.
Der erste Gast der ersten Folge der ersten Staffel von „The Muppet Show“ war der jüdische Schauspieler, Sänger und Regisseur Joel Grey, der unter anderem als Regisseur einer jiddischen Inszenierung des Musicals „Anatevka“ bekannt ist.
Auch unter den Muppets selbst finden sich jüdische Figuren. So orientiert sich etwa Fozzie Bär in seiner Rolle als Komiker stark an der Tradition der Stand-up-Comedians des Borscht Belt, einer Region, die für ihren jüdischen Humor berühmt ist. In einer bekannten Szene der 21. Folge der vierten Staffel zieht Fozzie bei einem Zaubertrick statt eines Kaninchens einen Rabbiner aus dem Hut.


Der blauhaarige Saxophonist Zoot zeigt seine jüdische Identität ebenfalls offen: In dem Film „Die Muppets: Briefe an den Weihnachtsmann“ (2008) wünscht er ganz selbstverständlich allen eine fröhliche Chanukka.
Bis heute wird im Internet darüber diskutiert, welche Muppets man als „jüdisch“ lesen kann. Neben Fozzie Bär und Zoot werden häufig auch die beiden nörgelnden Theaterkritiker Statler und Waldorf genannt. Wie das Jewish Quarterly einmal schrieb, seien sie „im Grunde nichts anderes als zwei personifizierte Kibbitzer und damit fest in der jüdischen humoristischen Kultur verankert“. Oder, wie Abigail Barr auf heyalma.com formulierte: „Diese beiden tun das Jüdischste, was man tun kann – sie kvetch’n lautstark über das gerade gesehene Stück.“
Autor: Yotam Licht (Bilder aus offenen Quellen)



