
Wenn man sich eine Karte Norddeutschlands anschaut, erkennt man im Nordseegebiet die Inselkette des Ostfriesischen Archipels sowie die küstennahen Landschaften, die Ostfriesland genannt werden. Dieses Gebiet liegt im nordwestlichen Teil Niedersachsens; im Westen grenzt es an die Niederlande, und die Kette der Ostfriesischen Inseln erstreckt sich ungefähr von der Emsmündung bis zum Jadebusen. Seit dem 16. Jahrhundert ließen sich hier Juden nieder. Über Jahrhunderte fanden die Mitglieder jüdischer Gemeinden mit der lokalen Bevölkerung – den Friesen – eine gemeinsame Sprache, auch wenn diese Beziehungen nicht immer ungetrübt waren. Dennoch bestanden bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten in dieser Region mehr als ein Dutzend kleiner jüdischer Gemeinden mit Synagogen, jüdischen Schulen und Friedhöfen. Auch diese Gegend blieb vom Holocaust nicht verschont. Auf einer der Steinwände des Yad‑Vashem‑Memorials im „Tal der Gemeinden“ (Valley of the Communities) sind auf Hebräisch und Englisch die Namen Norden, Leer, Emden, Jever, Varel, Aurich … eingemeißelt. Das sind nur einige wenige Gemeinden Ostfrieslands – aus mehr als fünftausend jüdischen Gemeinden, die die Nationalsozialisten während der Schoa, der Katastrophe des europäischen Judentums, vernichtet haben.
1. Der Hüter der Dornumer Synagoge
Heute gibt es in Ostfriesland keine jüdische Gemeinde mehr, doch die Erinnerung an sie wird von lokalen Enthusiasten bewahrt – Juden und Nichtjuden. In meinem Bericht geht es um eine dieser Gemeinden: die jüdische Gemeinde des kleinen Ortes Dornum mit insgesamt nur etwa 5.000 Einwohnern. In gewisser Weise ist diese Gemeinde eine Ausnahme von der „Regel“.
Die jüdische Gemeinde in Dornum existierte 300 Jahre lang, bis sie von den Nationalsozialisten im März 1940 liquidiert wurde. Juden konnten sich hier im 17. Jahrhundert erstmals nach dem Dreißigjährigen Krieg ansiedeln, nachdem ihnen Graf Rudolf Christian Privilegien und Schutz gewährt hatte. Von da an nahmen Juden am lokalen Leben teil und waren Mitglieder verschiedener bürgerlicher Vereinigungen. Laut der Volkszählung von 1925 stellten die Juden in Dornum 7,3 % der Stadtbevölkerung – der höchste Anteil in Ostfriesland. Nach 1933 wurden die Juden vor Ort verfolgt, doch nur ein Teil konnte emigrieren.


Am 7. November 1938, also drei Tage vor der berüchtigten Reichspogromnacht, verkaufte der letzte Vorsteher der Gemeinde, Wilhelm Rose, das Synagogengebäude für 600 Reichsmark an den Nachbarn, den Tischlermeister August Teßmer. Das kleine Backsteingebäude nutzte Teßmer später als Lager. Aufgrund der dichten Bebauung Dornums und weil das Gebäude inzwischen einem Deutschen gehörte, blieb die ehemalige Synagoge von der Brandstiftung der Nationalsozialisten verschont. Das bewahrte sie jedoch nicht vor Plünderung und Zerstörung: Die Fenster der Synagoge wurden eingeschlagen, und die verbliebenen Möbel sowie die Inneneinrichtung trugen die Nationalsozialisten hinaus und verbrannten alles auf dem Marktplatz. Heute ist dort mit dekorativen Platten ein Gedenkzeichen in Form eines Davidsterns ausgelegt.
Auf der beigefügten Karte Nordwestdeutschlands sind die Folgen der nationalsozialistischen Pogrome (Zerstörungen/Brandstiftungen an Synagogen) dargestellt: Synagogen in dieser Region wurden von den Nationalsozialisten niedergebrannt, zerstört oder geplündert. Dornum ist auf der Karte jedoch gerade aus dem oben genannten Grund nicht als betroffene Gemeinde aufgeführt: Zum Zeitpunkt des Pogroms war das Gebäude bereits Eigentum eines Deutschen.
Während der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 verhafteten SA‑Männer alle jüdischen Einwohner der Stadt und brachten sie ins benachbarte Norden, wo auch weitere Juden aus der Umgebung festgehalten wurden. Ältere Menschen, Frauen und Kinder wurden am Morgen des 10. November freigelassen, die Männer aber in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, von wo sie erst nach mehreren Wochen zurückkehren konnten. Kurz darauf versuchten die letzten Juden, soweit es möglich war, Dornum und Deutschland zu verlassen. Am 13. September 1939 lebten in Dornum nur noch acht Juden; am 8. März 1940 erklärten die Nationalsozialisten den Ort als „judenfrei“.

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in der Stadt ein Arbeitslager, in dem Kriegsgefangene und andere internierte Personen verschiedener Nationalitäten festgehalten wurden. Diese Gefangenen wurden vor allem zu Zwangsarbeiten in der Landwirtschaft auf Höfen in Nesse und Umgebung eingesetzt. Den verfügbaren Quellen zufolge befanden sich unter ihnen keine Juden. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Juden Dornums entweder emigrieren können oder waren bereits vernichtet worden. Mehr als die Hälfte aller Juden, die 1933 in Dornum lebten, wurde während des Holocaust ermordet. Keiner der Juden Dornums, die die Katastrophe überlebten, kehrte nach dem Krieg zurück.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude der ehemaligen Synagoge jahrzehntelang als Möbellager und für andere gewerbliche Zwecke genutzt und durch mehrere Umbauten stark verändert. 1989 gründete und leitete der Dornumer Georg Murra‑Regner den Verein „Gedenkstätte Synagoge Dornum e. V.“ und bewahrte damit das Gebäude vor dem Abriss. Keine zwei Jahre später, 1991, wurde die Synagoge mit Mitteln der Denkmalpflege und des Dornumer Gemeinderats restauriert. Die Restaurierung stellte das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gebäudes wieder her, auch wenn es nicht mehr für Gottesdienste genutzt wird. Seit 1992 ist die Synagoge eine Gedenkstätte mit Exponaten aus der Privatsammlung von Georg Murra‑Regner, der – größtenteils aus eigenen Mitteln – eine bemerkenswerte Sammlung jüdischer Artefakte zusammengetragen hat. Die Dornumer Synagoge ist heute ein Anziehungspunkt für Schulklassen, Studierende, Einheimische und Touristen. Der Verein verwaltet die Gedenkstätte und ist für thematische Ausstellungen und Führungen verantwortlich.
Der Vereinsvorsitzende Georg Murra‑Regner ist ein Mensch mit einer ungewöhnlichen Lebensgeschichte – initiativ, beharrlich und tatkräftig. Georg wurde 1949 in Emden in Ostfriesland geboren. Sein langjähriges Engagement für die Erinnerung an jüdisches Leben in der Region ist mit einer persönlichen Familiengeschichte und jüdischen Wurzeln verbunden. Murra‑Regner ist ein wahrer „Bewahrer“, der jahrzehntelang Spuren jüdischen Lebens in Ostfriesland gesichert hat – insbesondere durch die Erhaltung, Wiederherstellung und Öffnung der Synagoge in Dornum als Museum und Erinnerungsort.
Neben seiner Tätigkeit in der Synagoge kümmert sich Murra‑Regner auch um den Erhalt und die Pflege des alten jüdischen Friedhofs in Dornum, der direkt neben der Synagoge liegt und ebenfalls unter der Obhut des Vereins steht.


Darüber hinaus hat Murra‑Regner mehr als 30 Bücher, Broschüren und Artikel zur jüdischen Geschichte Ostfrieslands veröffentlicht, darunter auch zur Geschichte der Juden in Dornum. In seinem neueren Buch „Der Wiedergänger“ untersucht er die Beziehungen zwischen Juden und Christen bis in die Zeit des Nationalsozialismus. Murra‑Regner genießt allgemeine Wertschätzung als bekannter, gut informierter Regionalhistoriker. Trotz seines beachtlichen Alters (2025 wurde er 76 Jahre alt) führt er selbst durch die Synagoge, sorgt für den jüdischen Friedhof und beteiligt sich persönlich an der Pflege der Erinnerungsorte. In seiner Arbeit helfen und unterstützen ihn Familienmitglieder, insbesondere seine Frau Margitta Regner, sowie Ehrenamtliche.
Im Jahr 2023 ereignete sich im Leben von Georg Murra‑Regner – und auch für Dornum insgesamt – ein bemerkenswertes Ereignis: Für seine langjährige Arbeit gegen Antisemitismus und seinen Beitrag zur Bewahrung der historischen Erinnerung wurde Georg vom deutschen Bundespräsidenten Frank‑Walter Steinmeier mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Überreicht wurde ihm die hohe Auszeichnung im Rahmen einer feierlichen Zeremonie, an der unter anderem Dornums Bürgermeister Uwe Trännapp und der Landrat des Landkreises Aurich, Olaf Meinen, teilnahmen. Landrat Olaf Meinen betonte: „Mit Ihrer Arbeit in der Gedenkstätte bewahren Sie nicht nur die Erinnerung, sondern mahnen uns auch an ein dunkles Kapitel unserer Geschichte …“. Bürgermeister Uwe Trännapp hob seinerseits hervor, die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes sei ein besonderes Ereignis und – seiner Ansicht nach – eine verdiente Würdigung des Lebenswerks von Georg Murra‑Regner. In seiner Dankesrede sagte Georg Murra‑Regner, dass er seine Lebensaufgabe als Fortsetzung des Einsatzes zur Stärkung der Demokratie gegen Antisemitismus verstehe.
2. Die Dornumer Synagoge und Tu biSchwat
Auf die Suche nach den „Spuren“ der verschwundenen jüdischen Gemeinde Dornums machte sich eine Gruppe von Mitgliedern und Freunden der Liberalen Jüdischen Gemeinde Oldenburg (LJGO). Am Sonntag, dem 1. Februar 2026 – am Vorabend des jüdischen Festes Tu biSchwat – fuhren wir nach Dornum. Das Wetter war hervorragend: leichter Frost, windstill und trocken. Die Reste eines kurz zuvor starken Schneefalls waren fast verschwunden. Bequem in einem kleinen, aber komfortablen Bus sitzend, verließen wir Oldenburg und machten uns auf den Weg zu unserem Ziel, das sehr nahe liegt – nur etwa eine Stunde Fahrt, überwiegend über die Autobahn. Auf dem Programm stand nicht nur die Besichtigung des legendären Synagogenmuseums in Dornum, sondern auch die Feier von Tu biSchwat sowie das erste Treffen mit Rabbinerin Alisa Bach, mit der kürzlich ein Vertrag über ihre Tätigkeit in der Liberalen Jüdischen Gemeinde als Rabbinerin geschlossen worden war.
Bei Gesprächen und dem Austausch von Neuigkeiten verging die Zeit schnell, und schon fuhr der Bus in Dornum auf den Parkplatz. Von dort sind es bis zur Synagoge nur etwa 50 Meter. Vor dem Eingang des kleinen Backsteingebäudes standen zwei Personen: ein stattlicher älterer Mann mit grauem Bart und einer Fülle grauer Haare sowie eine schlicht gekleidete dunkelhaarige Frau. Freundlich begrüßten uns der Vorsitzende des Vereins „Gedenkstätte Synagoge Dornum e. V.“ Georg Murra‑Regner und seine Frau Margitta Regner. Sie luden alle ein, in die Synagoge einzutreten.
Bevor wir jedoch gemeinsam mit der Gruppe das Museum betreten, möchte ich die Leser auf einen Umstand hinweisen: In letzter Zeit haben sich Drohungen gegen Juden gehäuft, und die Zahl antisemitisch motivierter Straftaten ist gestiegen. Deshalb müssen praktisch alle jüdischen Veranstaltungen polizeilich geschützt werden. Auch die Veranstaltung in Dornum war keine Ausnahme. Die Organisatoren der Fahrt wandten sich an die Polizei in Norden, zu deren Zuständigkeitsbereich Dornum gehört, mit der Bitte um Unterstützung. Dort nahm man dieses Anliegen sehr ernst und organisierte alles auf höchstem Niveau: Polizeihauptkommissar Thorsten Frielinghaus war während der gesamten Veranstaltung persönlich bei der Oldenburger Gruppe anwesend. Und das war noch nicht alles. Bürgermeister Uwe Trännapp erfuhr, dass eine Gruppe aus Oldenburg in den Ort kommt, und schloss sich – obwohl es ein Sonntag war – aus Respekt vor Georg Murra‑Regner den Teilnehmern an.

Georg Murra‑Regner führt durch die Synagoge. © Foto: Michail Bejlis
Wir betreten die Synagoge und beginnen, ihre Ausstattung zu betrachten. Was wir sahen, ließ niemanden gleichgültig. An den Wänden und in Regalen, auf Böden und Tischen, auf Fensterbänken – und sogar an der Decke befestigt – standen, lagen oder hingen Dutzende, wenn nicht Hunderte jüdischer Artefakte: Torarollen und eine Esterrolle, Geschirr, Menorot, Chanukkiot, rituelle Gegenstände, alte Bücher, darunter handschriftliche, Fotos, Originaldokumente und vieles mehr. Und das alles als Originale, nicht als spätere Fälschungen. Nachdem die Besucher einen Moment Zeit hatten, sich umzusehen und von dieser Fülle an „Altertümern“ zu erholen, begann der „Hausherr“ dieses Reichtums – Georg Murra‑Regner – seinen äußerst spannenden Bericht.
Er erzählte, wie er über mehrere Jahrzehnte diese Exponate Stück für Stück zusammengetragen hat und sie nun großzügig mit den Gästen des Synagogenmuseums teilt, die so diese bemerkenswerte Ausstellung sehen können. Aus seiner Erzählung wird deutlich, dass er nicht nur einen bedeutenden Beitrag zur Bewahrung der Erinnerung an die Vergangenheit geleistet hat, sondern auch zur Bildungsarbeit: Seine Methoden und Zugänge beruhen nicht auf der Suche nach Schuldigen, sondern auf Verstehen und Versöhnung. In seiner Führung betonte Murra‑Regner, dass sich heute in Dornum die einzige Synagoge Ostfrieslands befindet, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hat (eine der zwölf Synagogen, die es in der Region gegeben hat). Darin liegt zweifellos ein großer Verdienst dieses engagierten Menschen.
Einige Exponate des Synagogenmuseums. © Foto: Michail Bejlis
Ich bemerkte, mit welchem Interesse nicht nur die Gäste aus Oldenburg, sondern auch die „Landsleute“ des Museums‑Hüters – Bürgermeister Uwe Trännapp und Polizeihauptkommissar Frielinghaus – den Ausführungen lauschten. Ohne Zweifel waren sie nicht zum ersten Mal in dieser Synagoge; dennoch ließ der emotionale und temperamentvolle Vortrag des Historikers, Sammlers und Archivars Murra‑Regner auch sie nicht unberührt.
Wir verließen die Synagoge, dankten Georg und seiner Frau Margitta und stellten uns entlang des Gebäudes für ein Erinnerungsfoto auf. Anschließend gingen wir zum alten jüdischen Friedhof, der sich direkt neben dem Museum befindet. In den letzten Jahren, so wurde uns berichtet, sind dort etwa 50 Gräber wiederhergestellt worden – auch das ist ein Verdienst von Georg Murra‑Regner und der Ehrenamtlichen des von ihm geleiteten Vereins. Als wir an das Friedhofstor kamen, sahen wir, dass der jüngste starke Schneefall die Gräber zwar stark bedeckt hatte, zugleich aber erkennbar war, dass der Friedhof in einem ordentlichen Zustand gehalten wird. Nach der Besichtigung sprachen wir gemeinsam mit Rabbinerin Alisa Bach nach jüdischem Brauch das Kaddisch.



Ich möchte den Lesern kurz Rabbinerin Alisa Bach vorstellen, die wir gerade auf dieser Fahrt nach Dornum kennenlernten. Sie wurde 1950 in Tel Aviv, Israel, geboren. Als Kind zog sie mit ihren Eltern nach Deutschland, wo sie aufwuchs und eine sehr gute Ausbildung erhielt: Sie ist diplomierte Fachkraft in den Bereichen Soziale Arbeit und Rechtswissenschaften. Viele Jahre bekleidete sie leitende Positionen im Jugendamt (Jugendamt) und sammelte dabei umfangreiche Verwaltungs‑ und Führungserfahrung. Sie war eine der Mitgründerinnen der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover und wirkte aktiv an deren Entwicklung mit. Seit 2012 leitet Alisa Bach die Jüdische Bibliothek Hannover und ist in der Bildungsarbeit tätig. 2022 erwarb sie den Masterabschluss in Jüdischer Theologie an der Universität Potsdam. Anschließend absolvierte sie die rabbinische Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam und wurde am 6. November 2025 in Berlin (Synagoge Rykestraße) zur Rabbinerin ordiniert (Smicha). Sie ist außerdem Autorin eines Buches über die Autorität der Halacha im Reformjudentum.
Nach dem Besuch des jüdischen Friedhofs gingen wir in das Café „Alte Backstube“, wo wir Tu biSchwat feiern wollten – ein Fest, das am 15. Tag des jüdischen Monats Schwat begangen wird und auch „Neujahr der Bäume“ heißt. Die „Alte Backstube“ ist ein gemütliches, historisches Café mit kleinen Gasträumen, bekannt für Gebäck und Obsttorten – genau passend für einen besonderen „Tu‑biSchwat‑Seder“, also ein festliches Mahl mit Früchten und Wein. Wir setzten uns an bequeme Tische; in kleinen Schalen standen Trockenfrüchte (Datteln, Feigen, Aprikosen, Rosinen usw.) und Nüsse verschiedener Sorten, die die Früchte des Landes Israel symbolisieren. Es war zwar etwas eng, aber – wie man sagt – in der Enge, doch nicht im Unfrieden. Über die Geschichte und alle Traditionen von Tu biSchwat will ich hier nicht ausführlich berichten; ich gehe davon aus, dass sie den meisten Lesern mehr oder weniger bekannt sind. Rabbinerin Alisa Bach, die die Feier leitete, sagte, Tu biSchwat habe eine besondere Bedeutung sowohl in der religiösen Tradition als auch in der modernen jüdischen Kultur, da das Fest mit der Natur, dem Land Israel verbunden ist und Erneuerung und Wachstum symbolisiert. Im Laufe der Zeit erhielt Tu biSchwat eine tiefe symbolische Bedeutung. Heute wird es mit dem Beginn eines neuen Naturzyklus assoziiert: mit der Verbindung des Menschen zur Erde, mit Sorge um die Umwelt und mit spiritueller Erneuerung. Das Fest unterstreicht die Bedeutung der Natur in der jüdischen Tradition.



Als der festliche Seder begann, wurden Gläser mit Rotwein oder Traubensaft serviert, außerdem sehr leckere Hausspezialitäten – Torten mit Äpfeln, Birnen, Erdbeeren, Kiwi und anderen Früchten und Beeren. Und natürlich aromatischer Tee oder Kaffee, je nach Bestellung. Der Tradition nach soll man an Tu biSchwat 15 oder sogar 30 verschiedene Früchte kosten. Unter „Unterwegs‑Bedingungen“ war das praktisch unmöglich, daher beschränkten wir uns auf zehn bis zwölf. Nach jeder Fruchtart sprach Rabbinerin Alisa einen der Psalmen.
Zum Abschluss bedankte sich der Gemeinde‑Vorsitzende Pavel Goldvarg noch einmal herzlich bei den Anwesenden, auch bei Georg Murra‑Regner und seiner Frau Margitta für die hervorragend organisierte und durchgeführte Führung durch das Synagogenmuseum sowie bei Rabbinerin Alisa Bach für die Gestaltung der Tu‑biSchwat‑Feier im gastfreundlichen Dornum.
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Wir fuhren nach Hause nach Oldenburg zurück, tauschten lebhaft Eindrücke von diesem ereignisreichen Tag aus und drückten dem Gemeindevorstand unsere herzliche Dankbarkeit für die Organisation der Exkursion aus, die ohne einen einzigen „Ausfall“ klar und planmäßig verlaufen war. Außerdem möchte ich von Herzen einem Sponsor danken, der anonym bleiben wollte und der sämtliche Kosten für die Busfahrt, die Führung und die Tu‑biSchwat‑Feier im Café übernommen hat. Ohne diese großzügige Spende hätte die Exkursion nicht stattfinden können.
Autor: Jakub Zair-Bek
Verwendet wurden Fotos aus offenen Quellen und aus dem Archiv @DerBote – DerShlikh













