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«Der Unbeugsame»

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    Diese Rezension erhebt keinen Anspruch auf besondere Professionalität. Ich schreibe sie als gewöhnlicher Leser, den das Buch sehr bewegt hat. Während des Lesens kamen mir immer wieder Assoziationen zu meiner eigenen Familiengeschichte in den Sinn, über die auf unserer Website im Artikel „Mein jiddisches Shtetl“ (https://bote-ol.de/2024/11/gromoklei-de/) berichtet wurde, sowie zur Familiengeschichte von Jakub Zair-Bek, die ebenfalls auf unserer Website veröffentlicht wurde (https://bote-ol.de/tag/sage-yzb-de/). Manchmal liegt die Vergangenheit nicht an der Oberfläche, sondern muss buchstäblich Stück für Stück aus Archivaufzeichnungen, bruchstückhaften Erinnerungen, alten Fotos und erhaltenen Familiengegenständen zusammengesetzt werden. Genau aus diesem Grund wird dieser Beitrag keine „Analyse nach den Regeln” sein, sondern ein Gespräch darüber, warum mir dieses Buch so nahegegangen ist. Es zeigt, wie sehr das persönliche Schicksal mit endlosen Briefen, Bescheinigungen, Entscheidungen und Formalitäten verflochten ist und wie lang der Weg zu Anerkennung und Gerechtigkeit, zu dem, was man in Deutschland „Wiedergutmachung“ nennt, sein kann.

    Es geht also um das Buch von Elfriede Brumsack „Der Unbeugsame. Ein Leben zwischen Verfolgung und ‚Wiedergutmachung‘“, Verlag Hentrich & Hentrich, 2023 (ISBN 978-3-95565-618-8), das unter folgendem Link zu finden ist: https://www.hentrichhentrich.de/buch-der-unbeugsame.html. Die Leseprobe finden die Leserinnen und Leser auf der persönlichen Webseite der Autorin unter https://elfriede-brumsack.de.

    1. Persönliche Wahrnehmung und Hauptfigur

    Die Autorin des Buchs, Elfriede Brumsack, lebt in Oldenburg. Das weckt bei lokalen Leserinnen und Lesern ein besonderes Interesse an dem Buch und verleiht ihm eine persönliche Note. Beim Lesen kam mir immer wieder der Gedanke, dass diese Geschichte nicht nur als Erzählung über die Vergangenheit wichtig ist. Sie zeigt, dass das Leben nach der Shoah nicht stehen geblieben ist, sondern für die Hauptfigur eine andere Form angenommen hat. Es geht um Briefe, Anträge, Behördengänge, das Warten auf Antworten und den Versuch, die Fakten wiederherzustellen und zumindest einen Teil des Verlorenen zurückzugewinnen. Das Hauptziel dabei war, die Anerkennung dessen zu erreichen, was geschehen war. Genau diese „zweite Ebene” des Buches, die administrativ-bürokratisch ist, erstreckt sich über Jahre und macht es so stark. Der Lesende sieht, wie Erinnerung und Gerechtigkeit zu einem langen Weg werden, auf dem man immer wieder das Offensichtliche beweisen muss. Das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb das Buch bei vielen jüdischen Familien – unabhängig vom Herkunftsland – Anklang findet. Neben den Erinnerungen bleibt oft auch Leere zurück und die Familiengeschichte wird durch einen trockenen Archivvermerk, ein fragmentarisches Zeugnis oder ein zufällig gefundenes Foto ergänzt. Die Vergangenheit muss aus Fragmenten zusammengesetzt werden, weil nicht nur Menschen, sondern manchmal auch alles, was mit ihnen in Verbindung stand, vernichtet wurde. Das Buch von Elfriede Brumsack verdeutlicht, dass der Kampf um die Wahrheit auch nach Kriegsende und Befreiung nicht endet.

    Im Mittelpunkt des Buches steht Julius Brumsack. Er hat den Holocaust überlebt und versucht nach seiner Befreiung, sein Leben neu aufzubauen. Gleichzeitig lassen ihn das Schicksal seiner Familie und die Zerstörung seiner Welt jedoch nicht los. Das „Danach“ wird für ihn nicht zu einem ruhigen Kapitel seines Lebens. Es verwandelt sich in eine Suche nach Spuren, in das Sammeln von Beweisen und in den Versuch, die Kette der Ereignisse Stück für Stück wiederherzustellen, um Anerkennung für den erlittenen Verlust zu erlangen. Die Frage „Was ist wirklich passiert?” lässt ihm keine Ruhe. Dabei ist es wichtig, dass Julius in zwei Dimensionen gleichzeitig lebt. Auf der einen Seite versucht er, sich einen neuen Alltag aufzubauen: Arbeit, Aufgaben, Familie. Andererseits gibt es ständig einen zweiten Strang: Briefe, Anträge, Archive, Gespräche, Recherchen und bürokratische Labyrinthe. In dieser doppelten Bewegung entsteht das Hauptthema des Buches: Der Held versucht hartnäckig, dem, was ihm genommen wurde und im Krieg wie aufgelöst schien, wieder einen Sinn, einen Namen und Gerechtigkeit zu geben. In diesem Zusammenhang gibt der Titel des Buches dessen Hauptaussage genau wieder: Das Leben spielt sich „zwischen“ zwei Realitäten ab. Einerseits gibt es die Verfolgung, die die gewohnte Ordnung zerstört und Menschen ihrer Rechte, ihrer Arbeit, ihres Eigentums, ihrer Sicherheit und letztlich ihres Lebens beraubt. Andererseits gibt es das, was nach dem Krieg als „Wiedergutmachung” bezeichnet wurde: den Versuch, den verursachten Schaden „auszugleichen”, „zu korrigieren” und „anzuerkennen”. Das Buch zeigt jedoch, dass dieser Begriff trügerisch einfach klingt. In Wirklichkeit ist „Wiedergutmachung” ein langjähriger Prozess, in dem Betroffene immer wieder beweisen müssen, was für sie offensichtlich ist. Es gab ein Verbrechen und einen Verlust, nun muss die Verantwortung dafür ihren Platz im Leben der Gesellschaft finden.

    Genau in dieser Verbindung – „das Böse wurde getan“ und „versuche es jetzt zu beweisen und Anerkennung zu erlangen“ – offenbart sich die Hauptspannung des Buches. Die Verfolgung endet nicht mit der Befreiung vom Regime, sondern scheint in anderer Form weiterzugehen: in Papieren, Formulierungen, Entscheidungen, Fristen, Ablehnungen und Halb-Anerkennungen. Somit liest sich das Buch einerseits wie die Geschichte eines Holocaust-Überlebenden und andererseits wie eine Erzählung über die Nachkriegsrealität, in der Gerechtigkeit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern hart erarbeitet werden muss.

    2. „Wiedergutmachung“ und Nachkriegsrealität

    Ein wichtiges Merkmal des Buches ist seine Gestaltung. Es handelt sich weder um einen „Roman nach Motiven” noch um eine freie Nacherzählung der Biografie. Die Autorin hat die Erzählung so aufgebaut, dass die Lesenden stets den festen Boden der Fakten unter den Füßen spüren. Zu diesem Zweck verwendet sie Briefe, Bescheinigungen, Antworten von Behörden, Auszüge, Entscheidungen sowie Erwähnungen von Fällen und Daten. Diese Dokumente sind nicht nur ein „Anhang zum Buch“, sondern Teil der Geschichte selbst. Sie geben den Ton an, zeigen die Sprache der Epoche und erklären, warum sich für den Helden alles über Jahre hinzieht. Hinter jedem Punkt steht eine Bestätigung, hinter jedem Ereignis eine Aufzeichnung und hinter jedem Verlust der Versuch, diesen in Formulierungen zu benennen und zu beschreiben, die das System akzeptiert. Dabei verwandelt der dokumentarische Charakter des Buches es jedoch nicht in ein trockenes Archiv. Im Gegenteil: Neben den offiziellen Worten tauchen lebendige Details auf – Fotos, Alltagsbeobachtungen und kleine Dinge, die das Geschehen wieder auf eine menschliche Ebene bringen. So entsteht eine besondere Form der Erzählung: Das persönliche Schicksal wird durch die „papierene“ Realität der Nachkriegszeit gezeigt, in der die Wahrheit nicht nur in Erinnerungen, sondern auch in Akten, Ordnern und offiziellen Antworten existiert. Diese Montage aus Lebendigem und Bürokratischem macht das Buch überzeugend und auf seine Weise spannend.

    Eine der stärksten Eigenschaften des Buches ist die stetige Suche nach Spuren. Julius erlebt nicht nur alles noch einmal, sondern handelt auch: Er schreibt Anfragen, sammelt Antworten, vergleicht Informationen, kehrt zu denselben Namen und Adressen zurück und versucht, die Kette der Ereignisse zu rekonstruieren. Im Grunde führt er seine eigene Untersuchung durch – nicht, um der Sensation oder der Rache willen, sondern um Klarheit zu erlangen. Er möchte die Fakten beim Namen nennen und verstehen, wo und wie das Leben seiner Familie zerbrochen ist. In dieser Suche spürt man keine kalte juristische Logik, sondern eine menschliche Notwendigkeit: Wenn man nicht sucht, kann alles in Nichtigkeit und Gleichgültigkeit versinken. Genau hier wird klar, warum das Buch so fesselnd ist. Es zeigt, dass Erinnerung nicht nur ein Gefühl, sondern auch Arbeit ist. Manchmal ist es eine sehr schwere und demütigende Arbeit, weil man sich immer wieder an Stellen wenden muss, an denen man mit trockenen Formulierungen abgespeist wird, Fristen verschoben werden und zusätzliche Bestätigungen verlangt werden. Doch gerade diese beharrliche „Suche nach Spuren” macht den Helden „unbeugsam”. Er lässt die Vergangenheit nicht spurlos verschwinden und gibt sich nicht mit bequemem Schweigen zufrieden.

    Der schmerzhafteste und wohl auch schwierigste Punkt des Buches wird dort offenbart, wo es um die „Wiedergutmachung” selbst geht. Die Autorin zeigt nicht nur die Langwierigkeit der Verfahren und die Trockenheit der Formulierungen auf, sondern auch, wer oft über das Schicksal solcher Fälle entschied. In dem Buch taucht ein Paradoxon auf: Laut Gesetz sollten der Vorsitzende oder einer der Richter in Entschädigungsfällen selbst zu den Verfolgten gehören. Im Fall von Julius hat das jedoch nicht funktioniert. Die Autorin formuliert dies sehr deutlich: Die Richter, die seinen Fall verhandelten, gehörten „zum Kreis der Verfolger“. Dieses Thema wird konkretisiert, es werden Namen, biografische Details und Angaben zur beruflichen Laufbahn genannt. So wird beispielsweise ein Richter beschrieben, der trotz seiner Verstrickung in die nationalsozialistischen Strukturen nach dem Krieg seine Karriere fortsetzte und in Celle gerade Fälle von „Wiedergutmachung“ verhandelte, darunter den Fall „Land Niedersachsen gegen Brumsack“, in dem er als Vorsitzender Richter auftrat. Gerade an solchen Stellen wird deutlich, warum die Autorin dem Begriff „Wiedergutmachung” eine innere Spannung zuspricht. Für Julius ist es keine „Wiedergutmachung“, sondern eine neue Form des Kampfes: nicht mehr um das Leben, sondern um das Recht auf Wahrheit, Anerkennung und elementare Gerechtigkeit.

    3. Erinnerung und Fazit für die Leserinnen und Leser

    Parallel zur trägen Bürokratie klingt in dem Buch ein anderes Motiv an: das normale Leben, das Julius trotz allem aufbaut. Wichtig ist, dass die Autorin die Hauptfigur nicht auf die Rolle eines Menschen reduziert, der nur Anträge schreibt und um Anerkennung kämpft. Neben den Angelegenheiten, Briefen und Gerichtsentscheidungen werden auch alltägliche und familiäre Sorgen sowie der Versuch, wieder auf die Beine zu kommen und ein normales Leben zu führen, sichtbar. Diese Ebene „verdünnt” die Tragödie jedoch nicht und macht sie nicht leichter. Vielmehr zeigt sie, dass die Zeit nach der Shoah nicht nur ein Sieg, sondern tägliche Arbeit ist, in der der Mensch gleichzeitig um die Zukunft kämpft und die Vergangenheit nicht loslässt. Genau deshalb wirkt das Buch so umfangreich. In ihm existieren zwei Strömungen nebeneinander: das Leben, das voranschreitet, und die Erinnerung, die zurückzieht und eine Antwort verlangt. Manchmal scheinen sie einander zu behindern, häufiger ergänzen sie sich jedoch: Familie und Arbeit geben Kraft, den Kampf fortzusetzen, und der Kampf wiederum erlaubt es nicht, ein neues Leben „aus dem Nichts“ aufzubauen, als wäre nichts gewesen. Dieser parallele Rhythmus – zwischen Alltag und Erinnerung, zwischen Arbeit und Aufgaben – macht das Buch besonders menschlich. Es zeigt keine heroische, sondern eine beharrliche, manchmal starrköpfige, aber sehr lebendige Rückkehr ins Leben.

    Besonders auffällig an diesem Buch sind der gewählte Ton und die Sprache. Die Autorin verzichtet auf überflüssiges Pathos und versucht nicht, die Lesenden mit Emotionen zu überhäufen. Stattdessen führt sie uns immer wieder zu konkreten Daten, Formulierungen, Briefen, Details von Fällen und Namen zurück. Dieser Schreibstil mag streng erscheinen, doch gerade das schafft Vertrauen. Die Lesenden verstehen, dass es sich nicht um allgemeine Überlegungen handelt, sondern um eine sorgfältig zusammengestellte Geschichte, in der jede Aussage auf einer Quelle basiert. Gleichzeitig gibt es im Text noch eine andere Ebene: eine menschliche, beinahe alltägliche. Sie kommt zum Vorschein, wenn es um die Familie, den Alltag und Dinge geht, die normalerweise nicht in offiziellen Dokumenten vorkommen, aber vieles erklären. Dadurch liest sich das Buch sehr lebendig, denn es hält die Balance zwischen Dokumenten und Leben.

    Bei aufmerksamem Lesen beginnt man, die besondere Rolle kleiner Gegenstände zu spüren, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen, aber Menschen und Zeiten überdauern. In „Der Unbeugsame“ wird deutlich, dass die Erinnerung nicht nur durch Familiengeschichten wachgehalten wird, sondern auch durch erhaltene Fotos und Gegenstände. Diese sind zufällig erhalten geblieben und werden so zu einem Beweis dafür, dass all dies wirklich geschehen ist. Wenn es um einen herum so viele Verluste und Leere gibt, helfen gerade solche Dinge, die Verbindung zwischen „damals“ und „heute“ aufrechtzuerhalten.

    Wahrscheinlich erinnerte ich mich deshalb beim Lesen an die Geschichte unserer Familienmesusa. In ihr befand sich einst eine Pergamentrolle mit dem Gebet „Schma Israel“, doch die Pergamentrolle selbst ist nicht erhalten geblieben, nur das bronzene Gehäuse. Erhalten geblieben ist auch die Erinnerung daran, wie dieser Gegenstand in unserer Familie von Hand zu Hand ging und wie er nach Deutschland gelangte. Heute bewacht diese Mesusa mit einem neuen Pergament wieder den Eingang zu meinem Haus. Selbstverständlich ist das eine andere Größenordnung und eine andere Form der Erfahrung, aber die Logik ist ähnlich: Wenn vieles verschwindet, werden kleine materielle Dinge wichtig, die den Menschen dabei helfen, den Faden nicht zu verlieren. Sie ersetzen keine Menschen und „korrigieren” nicht die Vergangenheit, aber sie geben Halt. Manchmal sind es gerade solche Gegenstände, durch die die Familiengeschichte aufhört, eine Abstraktion zu sein, und zu etwas Lebendigem wird.

    Familienerbstück. Eine Mesusa, die an der Eingangstür des Hauses des Autors dieses Artikels angebracht ist. Quelle: Privatarchiv Fam. Goldvarg
    Grabstein von Julius Brumsack. Inschrift: „Er kam zurück“. Quelle: Privatarchiv Fam. Brumsack

    Ich denke, es ist wichtig zu erwähnen, dass sich das Buch „Der Unbeugsame“ nicht „leicht und schnell“ lesen lässt. Es enthält viele Details, Daten, Verweise auf Dokumente, Briefe und Entscheidungen. Das erfordert Aufmerksamkeit: Manchmal muss ein Absatz noch einmal gelesen werden, um den Faden nicht zu verlieren – wer schrieb an wen, welche Behörde antwortete, wann wendete sich das Blatt? Dies ist jedoch kein Mangel, sondern Teil der Ehrlichkeit des Buches. Nur so lässt sich zeigen, wie die Nachkriegsrealität aussah, in der das Schicksal eines Menschen buchstäblich in Aktenordnern, Formulierungen und Punkten zerfällt. Der Inhalt des Buches ist außerdem emotional sehr belastend. Es wird nicht versucht, das Thema zu mildern oder angenehmer zu gestalten. Die Autorin schreibt zurückhaltend, doch gerade diese Zurückhaltung wirkt manchmal stärker als alle effektvollen Worte. Deshalb sollte man das Buch vielleicht nicht „in einem Zug“, sondern mit Pausen lesen. Das hilft zu verstehen, warum der Weg zu Anerkennung und Gerechtigkeit oft lang und qualvoll ist und warum er für manche Menschen eine Fortsetzung des Kampfes darstellt – auch nachdem der Krieg formal beendet ist. Die Inschrift auf dem Grabstein von Julius Brumsack – „Er kam zurück“ – regt die Lesenden am Ende des Buches zum Nachdenken an und macht ihnen erneut bewusst, dass die Rückkehr des Haupthelden darauf abzielte, die Erinnerung zu bewahren.

    Ich würde dieses Buch allen empfehlen, die verstehen möchten, wie das Leben „danach“ aussah – nach der Shoah, nach der Befreiung, nach dem formellen Sieg. Nicht in allgemeinen Worten, sondern anhand konkreter menschlicher Schritte. Es geht um Briefe, Schritte, Entscheidungen, Versuche, Namen und Fakten wiederherzustellen, die Würde der Erinnerung zurückzugewinnen und Anerkennung für den Verlust zu erlangen. „Der Unbeugsame“ kann besonders für Menschen wichtig sein, die sich mit Familiengeschichte beschäftigen und damit konfrontiert sind, dass die Vergangenheit sowohl in Familienerzählungen als auch in Archiven, Bescheinigungen und Akten aufbewahrt wird – dort, wo hinter einer scheinbar trockenen Zeile ein ganzes Leben steht. Ich denke, das Buch wird auch Leserinnen und Lesern gefallen, die sich dafür interessieren, wie der Prozess der „Wiedergutmachung“ in der Praxis aussah. Wer traf die Entscheidungen, wie wurden die Verfahren aufgebaut und warum zog sich alles über Jahre hin? Gleichzeitig geht diese Lektüre weit über die Grenzen eines Landes hinaus, denn sie ist für viele jüdische Familien in verschiedenen Teilen der Welt nachvollziehbar. Auch sie müssen ihre Erinnerungen aus Fragmenten zusammensetzen. Und vielleicht ist das Wichtigste, dass das Buch daran erinnert, dass Gerechtigkeit nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg ist – und manchmal wird dieser Weg selbst zur Menschenwürde.

    *****

    „Der Unbeugsame“ ist ein Buch über den Kampf um Wahrheit und Anerkennung, der nach der Shoah in Briefen, Akten und endlosen Verfahren weitergeführt wurde. Es zeigt, dass die deutsche Erinnerungskultur nicht mit großen Worten und Slogans beginnt, sondern mit konkreten Schritten, Verantwortung und der Bereitschaft, die Erinnerung dort zu bewahren, wo die Gefahr besteht, die Vergangenheit auf Formalitäten zu reduzieren.

    Autor: Pavel Goldvarg
    Bilder aus dem Privatarchiv Fam. Brumsack und aus dem Archiv des Autors

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